Prof. Eberhard Abele, Präsident der WGP, bei der Vorstellung des Projekts in Berlin Foto: Peter Himsel

Die Energiewende als Chance begreifen

Energieeffizienz

Ein Forschungsprojekt soll Strategien entwickeln, mit denen energieintensive Unternehmen zukünftig bestehen können.

Der steigende Anteil erneuerbarer Energien erfordert eine Anpassung der Industrie. Das gilt insbesondere für energieintensive Branchen, zu denen auch viele Kunden der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie und des Maschinenbaus zählen. „Wenn wir Unternehmen nur dazu bringen, energieintensive Anlagen in einem bestimmten Rhythmus einzuschalten, lässt sich enorm viel Energie sparen“, erläutert Prof. Eberhard Abele, der an der TU Darmstadt das Institut für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen (PTW) leitet.

Allgemeingültiger Ansatz

„Vielmehr wird die Produktion auf Zeiten eines hohen Stromangebots verlegt, was die Stromnetze entlastet.“ Unternehmen dagegen profitieren von den niedrigeren Strompreisen in Zeiten ohne Engpässe. Mehr als 80 Partner aus Forschung, Industrie und gesellschaftlichen Organisationen haben sich für Syn Ergie zusammengetan. Nicht nur die Größe dieses Konsortiums ist ungewöhnlich, es deckt mit seiner Vielzahl energieintensiver Branchen auch die deutsche Industrie­landschaft ab. „Bislang wurden lediglich in einzelnen Branchen verfahrenstechnische und Stückgutprozesse untersucht, inwieweit es Möglichkeiten der Lastverschiebungen gibt“, berichtet Abele. „Und in jeder Branche wurden Potenziale gefunden, die elektrische Leistung innerhalb der Fabrik zu verschieben. Mit Syn Ergie wollen wir nun einen allgemeingültigen Ansatz für Flexibilisierungsmaßnahmen schaffen.“ Das Ziel von Syn Ergie ist laut dem Darmstädter Produktionstechniker jedoch nicht nur, die ökonomisch besten Lösungen zu finden, sondern auch die sinnvollsten für die Gesellschaft.

In dem auf zehn Jahre angelegten Forschungsprojekt soll zunächst der Stand der Dinge analysiert werden. Wie groß ist das Flexibilisierungspotenzial? Wie können die Akteure dazu bewegt werden, diese Potenziale zu nutzen? Eine Pilotanlage und Demonstratoren sollen dann die wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Praxis testen und veranschaulichen.

Doch Abele hat eine noch weiter reichende Vision. „Deutschland ist Vorreiter in der Energiewende, doch über kurz oder lang werden andere Länder ähnliche Probleme haben wie wir heute. Es ist eine große Chance, wenn wir unsere Lösungen zur Flexibilisierung, dem sogenannten Demand-Side-Management, anbieten können. Da tun sich globale Exportchancen für Software, Regelungstechnik und Beratungsdienstleistungen auf – womit Deutschland seine Vorreiterrolle weiter ausbauen könnte.“

Philipp Lubos 

Aufmacherbild: Peter Himsel