Hoffentlich haben die Teilnehmer dieses Triathlons ihre Kunststofftragetaschen auch mehrfach verwendet. Foto: Pxhere

Immer alle auf die Tüte

Plastics in the Future

Die Kunststofftragetasche wird zum Opfer ihres eigenen Erfolgs. Sie ist zu günstig, zu haltbar und zu sichtbar.

Bis zum Jahr 2050 sollen die Ozeane mehr Kunststoff als Fische enthalten. Im Zusammenhang mit dieser Vorhersage wird schnell auf Verpackungen aus Kunststoff verwiesen – und die Kunststofftragetasche oder Plastiktüte. In Teilen des öffentlichen Bewusstseins hat sich die Überzeugung verankert, dass die Vermeidung von Kunststoff und seine Substitution etwa durch Metall, Glas oder Papier die Umwelt schützten. Dabei gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse, die dem widersprechen.

Das K-MAGAZIN bat Inga Kelkenberg, verantwortlich für Wirtschaftsthemen bei der Interessengemeinschaft Kunststoffverpackungen (IK), um ein Statement zum Thema. „Die Plastiktüte wird in der öffentlichen Diskussion immer wieder als Umweltsünder par excellence diffamiert. Zu Unrecht, wie die IK nicht müde wird zu betonen. So wird von verschiedenen Supermarktketten und in der Tagespresse dem Verbraucher der Eindruck vermittelt, dass er mit dem Verzicht auf Plastiktüten einen wesentlichen Beitrag zum Umweltschutz leisten würde. Das Gegenteil ist der Fall. So ist zum Beispiel die Nutzung eines Pkw, ein Flug nach Mallorca oder der Verzehr von Fleisch oder Fisch in der Regel um einiges umweltrelevanter als der Gebrauch einer Plastiktüte. In diesem Zusammenhang sind auch die Verbote einiger Handelsketten als reine ,Greenwashing-Aktionen‘ zu sehen.

45 Kunststofftragetaschen pro Europäer und Jahr ist der Zielwert, der bis zum Jahr 2025 erreicht werden soll. Im Jahr 2016 war das genau der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland.

Ärgerlich ist auch, dass zum Teil stattdessen die Tragetasche aus Papier angeboten wird, die, wie Ökobilanzen nachweisen, nicht besser abschneidet.

Keine deutschen Tüten im Meer

Schwerer wiegt jedoch aus Sicht der IK der Vorwurf, dass in Deutschland benutzte Plastiktüten zur Vermüllung der Weltmeere beitragen. Jeder deutsche Verbraucher hat die Möglichkeit, eine verwendete Plastiktüte über die gelbe Tonne einer ordnungsgemäßen Verwertung zuzuführen. Eine weitere sinnvolle Verwertungsmöglichkeit besteht in der thermischen Nutzung dieser Tragetaschen, beispielsweise zur Erzeugung von Fernwärme, wodurch Erdöl eingespart wird.

In Deutschland haben wir ein funktionierendes Entsorgungssystem. Das ist aber nicht überall so. 80 % der Abfälle im Meer stammen aus Asien. Wir können doch nicht die deutschen Plastiktüten in Sippenhaft für fehlende Verwertungssysteme in anderen Teilen der Welt nehmen!

Jeder Verbraucher sollte selbst entscheiden, wie er einkaufen möchte. So kann er bei seinem Einkauf einen Korb oder eine Mehrwegtrage­tasche nutzen. Sollte er jedoch im Rahmen eines Spontaneinkaufs eine Plastiktüte nutzen, muss er deshalb kein schlechtes Gewissen haben“.

Visuelle Zeiten

Für Menschen ist Sehen die bedeutendste Sinnes­wahrnehmung. Was wir sehen, das glauben wir. Außerdem sind in Deutschland ökologische Themen besonders prominent politisch vertreten. Es ist daher nicht überraschend, dass Bilder von Kunststoff im Meer und seinen Auswirkungen dazu führen, dass Menschen sich dieser Probleme annehmen möchten und politische Parteien diese Sorge aufnehmen und in Regeln und Vorgaben gießen. Diesmal hat es eben die Kunststofftragetasche erwischt, vor einigen Jahren waren es die Glühbirnen. Besser wäre sicherlich, Ökobilanzen und Emmissionsberechnungen zuerst durchzuführen und dann die Maßnahmen auszuwählen, die den größtmöglichen positiven Effekt haben.

Philipp Lubos

Aufmacherbild: Pxhere