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Wie man mit Recycling Geld verdient

Recycling

Kunststoffrecycling ist zu einem guten Geschäft mit attraktiven Margen geworden. 
Allerdings kann man dabei auch leicht Fehler machen.

Mit Kunststoffrecycling Profit zu machen ist prinzipiell sehr einfach. Das Endprodukt, also das Rezyklat, muss am Ende der Aufbereitung einen höheren Preis erzielen, als die Eingangsware und die Aufbereitung gekostet haben. Schwierig wird es deshalb, weil man dabei sehr viel falsch machen kann, wenn nicht auf wichtige Stellschrauben geachtet wird.

Rainer Zies, Geschäftsführer von MKV Kunststoffgranulate, kennt diese genau. Entscheidend und unersetzlich sei zunächst die Marktkenntnis. Der Rezyklierer muss wissen, welches Material gerade gefragt ist und welches nicht. So gibt es nach Erfahrung von Zies „zurzeit ein großes Angebot an PBT-Abfällen, aber nur ganz wenige Anwendungen für das Rezyklat.“ Bevor man Material annimmt, sollte also geklärt sein, was daraus werden soll. Dafür muss man den Recyclingprozess genau verstehen, um die Kosten abschätzen und einen Preis definieren zu können. Mit diesem Preis ist aber eine gewisse Qualitätserwartung des Kunden verbunden – die Qualität der Produkte muss also konsequent überwacht werden.

„Bevor ich Material annehmen, muss ich wissen, was daraus werden soll.“, Rainer Zies, Geschäftsführer MKV Kunststoffgranulate.

„Ich sollte aber auch nur prüfen, was notwendig ist, denn jede Prüfung kostet wieder Geld und schmälert den Gewinn“, so Zies. Die Datenblätter müssen also nur Information enthalten, die der Verarbeiter wirklich braucht.
Wichtig ist laut Zies, kein Material anzunehmen, von dem man nicht weiß, wohin das Rezyklat verkauft werden soll. Dabei wird es immer schwieriger, gutes Eingangsmaterial zu finden. „Die Qualität der Abfälle sinkt kontinuierlich, das gilt auch für solche aus der Industrie.“

Die Materialbank
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Karsten Schröder bringt einen zukunftsweisenden Ansatz ins Spiel. Foto: Innoform

Einen völlig anderen Ansatz verfolgt Karsten Schröder, Geschäftsführer von Innoform, einem Unternehmen, das Coachings und Materialtests im Bereich Verpackungen und Rohstoffe durchführt. Schröder denkt über das Konzept einer „Materialbank“ nach. Sein Ansatz: In unserem aktuellen Wirtschaftssystem seien Banken die Einzigen, die über die Giralkonten Geld schöpfen. Sie können daher nahezu ohne Eigenkapital Kredite beleihen, ohne eigene Deckungen dafür haben zu müssen. Aber was hat das mit Recycling zu tun? Schröder: „Wenn wir Kunststofferzeuger, -verarbeiter und Konsumenten nicht mehr in Einbahnstraßen dächten, sondern auch in Kreisläufen, wie es uns die Banken mit dem Hilfskonstrukt des Geldes vormachen, könnten wir alle profitieren.“

Schröder hat auch schon eine Idee, wie so etwas funktionieren könnte: „Wenn wir beispielsweise unsere Rohstoffe nicht mehr verkaufen, sondern sie wirklich im Kreis führten und beispielsweise vermieteten, würde sich vieles ändern. Über die Jahre würden wir zwar nicht unendlich viel Geld anhäufen können, aber doch nennenswerte Materialmengen, die in einer nicht zu fernen Zukunft sehr viel ,Geld‘ wert sein könnten. Nehmen wir einmal den Kunststoffverarbeiter, der mit 70 bis 80 Prozent Materialkostenanteil an seiner Kalkulation derzeit nur über höhere Mengen den Gewinn steigern kann – und den auch nur absolut und nicht
relativ in Prozentpunkten.“
Wenn dieser aber nun sein Material gar nicht mehr verkauft, sondern nur noch seine Dienstleistung mit dem Material vermietet – etwa einen Fensterrahmen, der nach 25 Jahren wieder durch einen neuen ersetzt wird –, hilft das allen. Er ist interessiert daran, einen gut rezyklierbaren Fensterrahmen in Umlauf zu geben.

Der Verarbeiter behält die Kontrolle über den Rahmen und – vielleicht noch spannender – über den Kundenkontakt. Nach Ablauf der Mietzeit, in der der Hauskäufer seinen Geldbeutel schonen konnte, da er weniger Geld von der Bank aufnehmen musste, da das Fenster aus seinem Cashflow bezahlt wurde, bietet der Fensterinhaber – der Kunststoffverarbeiter – einen Austausch an. Auf jeden Fall bekommt er aber seinen Rohstoff – das Fenster – zurück, egal, ob er auch das neue vermietet. Das schont seine Bilanz enorm und hilft ihm, wieder neu und günstig anbieten zu können, da er den Materialanteil – 70 bis 80 % – ja senken konnte – es ist ja schon bezahlt. Schröder: „Denken Sie das einmal weiter für Ihre ganz konkreten Belange in der Kunststoffbranche und überlegen Sie bitte einmal ernsthaft, wer davon alles profitieren wird – es sind wirklich alle – außer den Banken, die etwas weniger Geld schöpfen, aber dem Wertschöpfen damit helfen.“

Autor: Philipp Lubos

Aufmacherbild: MKV