Mehr als nur Roboter

Automation

Kollaborative Roboter als Teil eines neuen Konzepts. Das K-MAGAZIN hat sich mit Ferdinand Teuber, CTO von Hahn Robshare, über die Hinter­gründe und Möglichkeiten des Unternehmens und seines Geschäfts­modells unterhalten.

Ferdinand Teuber, CTO von Hahn Robshare. Foto: Hahn Robshare

In der Automation dreht sich auf dem Weg zur Industrie 4.0 alles um Flexibilität und die Bereitstellung kostengünstiger Konzepte für immer dynamischere Kundenanforderungen. Als Teil der Hahn Group sieht sich Robshare als Innovator im Bereich der kollaborativen Robotik. Dabei setzt das Unternehmen auf ein innovatives Geschäftsmodell: den Verleih von Robotern. Die Vision von Robshare ist es dabei, kollaborative Robotertechnologie nicht nur mit Kunden zu „sharen“, sondern auch sicherzustellen, dass Mensch und Roboter gleichermaßen sicher arbeiten und sich an die sich verändernden Produktionsumgebungen anpassen. Die flexible und agile Produktion sieht dabei eine nahtlose Zusammenarbeit von Mensch und Cobots vor. Genau hier knüpft Robshare an. Im Interview mit dem K-MAGAZIN gewährt Ferdinand Teuber, CTO von Hahn Robshare, Einblicke in die Welt der kollaborativen Robotik sowie die Hintergründe und die Vision, die Robshare mit seinem Geschäftsmodell verfolgt.

Herr Teuber, die kollaborative Robotertechnologie verändert bereits heute nachhaltig verschiedene Bereiche der Industrie. Dabei verändert sich auch die Art und Weise, wie wir arbeiten. Sogenannte Cobots arbeiten sprichwörtlich Hand in Hand mit dem Menschen zusammen. Worin liegen die Stärken dieser Cobots beziehungsweise wo sehen Sie die Grenzen dieser Technologie?

Ferdinand Teuber: Die Stärken der kollaborativen Robotik sind zum einen, dass sie zwei Welten zusammenbringen. Die höchst sensitive Technologie ermöglicht es, Automatisierungs- und Halbauto­matisierungsprozesse in den Arbeitsbereich des Menschen zu bringen. Die absolute Stärke liegt in der Zusammenarbeit: Der Mensch setzt hierbei seine gegebenen Stärken ein, etwa bei der Sichtkontrolle von Bauteilen. Der Roboter übernimmt die eher „stupiden“ Aufgaben der Arbeit, zum Beispiel hochrepetitive Aufgaben oder auch Aufgaben, bei denen der Mensch etwa gesundheitliche Beeinträchtigungen erfahren könnte. Die Grenzen dieser Technologie liegen jedoch genau in diesem beschriebenen Vorteil. Kollaborativ heißt vor allem auch, dass die Sicherheit des Menschen immer an erster Stelle steht. Wir haben dabei sowohl physikalische als auch rechtliche Grenzen, wie wir Roboter kollaborativ einsetzen können. In vielen Anwendungsfällen ist beispielsweise weder der Roboter noch die Peripherie unsicher, jedoch die Bauteile, die dabei gehandhabt werden.

Mit Hahn Robshare bietet die Hahn Group Unternehmen die Möglichkeit, kollaborative Roboter zu mieten. Wie sind Sie darauf gekommen, solch ein Geschäftsmodell anzubieten? Was war hierbei der Auslöser?

Ferdinand Teuber: Wir befinden uns in einem Zeitalter der sogenannten „sharing economy“. Die Hahn Group beschäftigt sich schon seit Jahren mit kollaborativer Robotik. Dabei kam das Thema der Capex/Opex-Diskussion immer häufiger auf. Im Zuge dessen haben wir gesehen, dass es Budgets für Projekte gibt, die temporär angelegt sind und einen hohen Bedarf an zeitlich begrenzten halbauto­matisierten Lösungen haben. Genau dafür gab es aber keine Lösung am Markt. Wir als Unternehmen haben jedoch die Möglichkeit, diese Lösungen vollumfänglich anzubieten, das heißt, wir können on demand Roboter liefern. Aus dem Bedarf des Marktes heraus kam somit auch der Auslöser für dieses spannende Geschäftsmodell, aus dem Hahn Robshare entstand. To cut a long story short: In Zusammenarbeit mit unseren Kunden haben wir die Cobot Sharing-Idee zur Marktreife gebracht und sind jetzt dabei, den Markt über Hahn Robshare mit temporären Automationslösungen zu unterstützen.

Was ist der typische Markt beziehungsweise Kunde oder anders gefragt: Wer mietet bei Hahn Robshare einen Roboter?

Ferdinand Teuber: Das ist eine gute Frage. Es gibt Unternehmen, die einen kurzfristigen Bedarf haben, welcher volatil jedes Jahr auftritt – etwa kurz vor Weihnachten im Bereich der Verpackungsindustrie. Es gibt aber auch Unternehmen, die unsere Technologie einfach ausprobieren möchten, um sicherzustellen, dass diese für sie die passende Lösung darstellt. Die Kunden haben dabei die Möglichkeit, die Technologie wieder zurückzugeben. Wir unterstützen unsere Kunden aber auch, indem wir ihnen helfen, die für ihre Anforderungen passende Technologie zu finden. Das ist auch das, was Hahn Robshare auszeichnet: die Expertise im Bereich der Automationslösungen und im Speziellen der kollaborativen Robotik, welche wir unseren Kunden weitervermitteln können. Dabei zählen zu unseren Kunden häufig Mittelständler, die oftmals verunsichert sind, ob sie in der Lage sind, weitere Aufträge annehmen zu können. Hierbei bieten wir mit Hahn Rob­share die nötige Unterstützung, potenzielle Geschäfte beziehungsweise Aufträge zu skalieren, und das flexibel abgestimmt auf die Bedürfnisse des Kunden.

Mithilfe kollaborativer Roboter wie diesem sensitiven Doosan 6-Achs-Gelenkroboter bietet Hahn Robshare Kunden die Möglichkeit, flexibel auf die sich verändernden Produktionsumgebungen und Kundenwünsche zu reagieren. Foto: K-Magazin/Bechlarz

Ich möchte als Unternehmen einen Roboter mieten: Können Sie kurz umreißen, wie solch ein Vorgang abläuft?

Ferdinand Teuber: Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten: Sie kennen sich bereits in der kollaborativen Robotik aus und möchten lediglich die reine Hardware monatlich mieten. Den Mietvertrag können Sie dabei monatlich kündigen. Die andere Möglichkeit besteht darin, unsere Expertise hinzuzuziehen. In diesem Fall bieten wir Ihnen das volle Spektrum an: von der Greiftechnik über Konstruktion und Sicherheitstechnologie bis hin zum ganzheitlichen Lösungskonzept. Wir bieten Ihnen dabei ein Stundensatzmodell mit einer „Pay-as-you-go-Lösung“. Wir vermieten dabei ganze Roboterfamilien. An den Kunden gehen somit vier bis fünf Roboter sowie ein Robot Supervisor. Dieser sorgt für den sicheren und dauerhaften Betrieb des Roboters beim Kunden und lernt diesen auch entsprechend ein. Die Kosten richten sich dabei auch nach der Länge des Vertrags und nach der Einsatzdauer beziehungsweise der Anzahl an Schichten, die ein Roboter fährt.

Besteht die Möglichkeit, den Roboter nach einer festgesetzten Zeit zu erwerben?

Ferdinand Teuber: Auf jeden Fall. Die Hahn Group zeichnet sich dadurch aus, dass wir nicht nur Roboter bauen und vermieten, sondern natürlich auch verkaufen. Sie finden in der Hahn Group für jeden Automatisierungsbedarf die passende Lösung sowie das richtige Unternehmen. So können Sie über die Hahn Robotics auch kollaborative Roboter erwerben.

Warum sollte ich mir einen Roboter mieten anstatt ihn zu kaufen?

Ferdinand Teuber: Diese Frage kann man in unserer heutigen Zeit auch gut andersherum stellen. Aber zu Ihrer Frage: Der wichtigste Faktor ist meistens der finanzielle Hintergrund, also die klassische Capex/Opex-Diskussion. Dabei bietet Hahn Robshare durch das Mietmodell die Möglichkeit an, das Risiko des Kunden, in einen falschen Cobot investiert zu haben, zu senken. Das bedeutet, sollte ein Kunde unsicher sein, ob die kollaborative Robotik für seine Anforderungen und Zwecke die richtige Technologie ist, können wir diese Verunsicherung minimieren und mit unserer Expertise bei der Auswahl der richtigen Technologie unterstützen. Am Ende des Tages ist es auch immer eine Frage der Anforderungen. Wenn sich diese entsprechend schnell in der Produktion ändern, brauchen Sie auch unterschiedliche Roboter zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Für jeden Zweck bietet Hahn Robshare dabei die passende Lösung. Wir sind somit in der Lage, flexibel auf die jeweiligen Kundenbedürfnisse einzugehen.

Der kollaborative 7-Achs-Roboter Sawyer ist einfach einzurichten und schnell in die Arbeitsumgebung integrierbar. Seine visuelle Steuerungsoberfläche ist dabei so aufgebaut, dass selbst ein Nichtfachmann die Steuerung nach nur wenigen Stunden programmieren kann. In weniger als einer Minute lassen sich Pick-and-Place-Anwendungen programmieren. Foto: K-Magazin/Bechlarz

Wie verhält es sich, wenn ich als Kunde meinen Roboter aufrüsten beziehungsweise umrüsten möchte?

Ferdinand Teuber: Gemeinsam mit dem Kunden gehen wir zunächst darauf ein, für welche Aufgaben der Roboter verwendet werden soll. Dabei ist es wichtig, dass wir unsere Expertise mit einbringen können und dabei unterscheiden: Was ist eine A-, was eine B-Aufgabe und was eine C-Aufgabe, die der Roboter handhaben muss? Wir wollen natürlich auch absichern, dass sich der Kunde im kollaborativen Bereich befindet. Ist dies nicht der Fall, müssen die Mitarbeiter trotzdem durch entsprechende Schutzmaßnahmen abgesichert sein. Die Fragen, die sich hier stellen, sind: Was ist die Aufgabe? Welche Teile müssen gehandhabt werden? Wie sieht ein Gesamtlösungskonzept aus? Entsprechend können wir als Unternehmen dann flexibel reagieren. Mit diesem Vorgehen können wir den kundenspezifischen Kostenaufwand relativ minimal halten.

Welche Bandbreite an Robotern bieten Sie bei Hahn Robshare? Sind die angebotenen Roboter ausschließlich von einem Hersteller?

Ferdinand Teuber: Wir sind herstellerunabhängig. Wir haben eine sehr enge Partnerschaft mit unserer Schwesterfirma Rethink Robotics und können dadurch vollumfänglich auf die entsprechenden Technologien zurückgreifen. Nichtsdestotrotz können wir jegliche Art von kollaborativer Robotertechnik integrieren. Wenn Sie als Kunde etwa einen „Sawyer“ von Rethink Robotics wollen, können wir diesen genauso liefern, wie wenn Sie eine andere kollaborative Technologie wie etwa einen „MiR“ Roboter integrieren möchten.

Wie eng arbeiten Sie mit Roboterherstellern zusammen? Wie ist das Feedback der Hersteller und der Kunden bezüglich dieses Geschäftsmodells?

Ferdinand Teuber: Wir arbeiten sehr eng mit den Herstellern zusammen. Wir bekommen durch unser Geschäftskonzept überaus wichtiges Marktfeedback. Wir haben Kunden, die einen Roboter von drei Monaten bis hin zu vier oder fünf Jahren mieten. Bei einer entsprechenden Menge an Kunden, die übersaisonal etwa drei Monate mieten, bekommen wir sehr schnell Feedback vom Markt, welcher Roboter zu welcher Applikation am besten passt. Dieses können wir dann wieder mit den Herstellern teilen, um so die Produktentwicklung weiter zu steuern und noch weiter in den sicheren Einsatz kollaborativer Mensch-Roboter-Interaktionen zu investieren. Das Feedback, das wir dem Markt bereitstellen können, ist also von allerhöchstem Interesse – sowohl auf Kunden- als auch auf Herstellerseite.

Ist für die Zukunft auch eine Ausweitung an angebotenen Robotermodellen geplant?

Ferdinand Teuber: Wir sind natürlich bestrebt, die neueste, sicherste, effizienteste sowie einsatzfähigste Robotik bei Hahn Robshare zu verwenden. Deshalb sind wir gegenüber jeglichen Modellen offen, solange sie unsere Anforderungen, zum Beispiel an Performance, erfüllen. Der Trend geht sehr stark in Richtung der einfach zu programmierenden Roboter in allen Lebensbereichen. Ob Industrie, Gesellschaft oder Forschung, wir setzen gerade hier unsere Akzente und Schwerpunkte.

Autor: Dominik Bechlarz

Aufmacher: K-MAGAZIN/Bechlarz